Nach sorgfältiger Planung war es am 09. Juni dieses Jahres soweit – Start in die Masuren!

Wir, das sind Karin und Manne, Birgit und Rüdiger sowie Evelyn und Uli, starteten individuell mit dem PKW und fuhren jeder seines Weges bis zum ersten Zielort, dem Hotel „Masuria“ in Lukta. Es handelt sich um ein 4-Sterne-Hotel, herrliche Landschaft, an einem See gelegen. Obwohl jeder seinen eigenen Weg nach Lukta fand, so trafen wir doch relativ zeitgleich gegen 19:00 Uhr am Hotel ein. Jeder von uns hatte für die zurückgelegten 550 km etwa 10 Stunden (!) Fahrt benötigt.

Das Hotel mit seinen Angeboten entschädigte uns für die Kutscherei und wir ließen den Abend genüsslich bei gutem Essen und ein paar Getränken ausklingen, um Kraft für die noch anstehenden 150 km am nächsten Tag zu schöpfen. Für uns zunächst unglaublich, die GPS-Geräte prophezeiten 2 bis 3 Stunden Fahrt für diese Strecke. Und sie haben wirklich nicht geschwindelt!

Nach einigem Hin und Her fanden wir dann auch die Basis im Ort Bogaczewo, in der Nähe von Gizycko gegen 15:00 Uhr. Hier ist der Jarek Jedrzejowski gerade dabei, sich einen neuen Charterstützpunkt zu bauen. Nach unkomplizierter Schiffsübernahme und kleineren Reparaturen an den Booten, konnten wir uns dann an Bord einrichten. Im nahegelegenen Sklep – so heißen die Geschäfte in Polen – wurden dann Lebensmittel und „Grundnahrungsmittel“ gebunkert. Danach ein ausgiebiges erstes Bad in glasklarem Wasser und dann ein Spaziergang zur Marina „Evelyn“.

Am 11. Juni wurden dann um 10.00 Uhr die Segel mit dem Ziel Gizycko gesetzt. Es wehte ein schwacher SO-Wind bei 24° C und strahlend blauem Himmel. Das sollte leider nicht bestimmend für den Rest des Törns sein, der eher von sehr wechselhaftem und kühlem Wetter geprägt war. Gegen 14.00 Uhr erreichten wir dann den östlichen Kanal in Gizycko. Nun war Mastlegen und -stellen angesagt – auf der „Kamina“ eine echte Herausforderung und von einem Segler auf Grund der geringen Dimensionierung des Scherzeuges, nicht zu leisten!

Auf dem See Popowko ließen wir dann den Tag vor Anker im Schutze einer Insel ausklingen. Der nächste Tag erwartete uns dann mit lediglich 17° C und mäßigem NNW mit Windspitzen bis 7 Bft.

Da wir uns nicht sicher waren, wie die Beschaffung von Lebensmitteln in den nächsten Tagen aussehen würde, legten wir in der Clubmarina „Neptun“ in Gizycko an, um hier das Nötigste zu beschaffen. Dann ging es bei eher kühlem Wetter in Richtung Norden, Ziel war die Marina Stynort. Obwohl wir zu dieser Marina bereits Informationen hatten, waren wir doch etwas überrascht. Etwa 500 Bootsliegeplätze, 1 Restaurant mit Hotelbetrieb und 3 weitere Gaststätten erwarteten ihre Gäste. Da die Polen in dieser Woche ihre sog. „katholische Woche“ mit Fronleichnam feierten, hatten viele Leute frei und sich Segelboote gechartert. Es entstand auch der Eindruck, dass nun alle nach Stynort gefahren sind, dort war alles voll. Und es wurde gefeiert – eher nicht so fromm, sondern eher fröhlich und feucht!

Und wie das Leben eben so ist, trafen wir dort auch noch ein Ehepaar vom PSV, die mit ihrem 15-ner unterwegs waren und auch noch in Bogaczewo im gleichen Hafen angekommen waren.

Ja klar, wir haben da schön mitgemacht!


Was half nun bei diesem doch eher bescheidenem Wetter am Besten? Natürlich Bewegung, etwas innere und etwas äußere Wärme!

 

Nebenbei vermerkt befanden wir uns in einer sehr geschichtsträchtigen Gegend, wenn die Geschichte dort auch nicht immer eine positive Rolle gespielt hat. In unmittelbarer Nähe befand sich die Ortschaft Mamerki (Mauerwald), in dessen Gemarkung sich die Reste der Bunker des ehemaligen OKH befinden. Nicht einmal 20 km weiter westlich dann die Bunkeranlage des ehemaligen Führerhauptquartiers bei Ketrzyn (Rastenburg). Die Überreste beider Anlagen sind auch heute noch mit oder ohne Führung zu besichtigen. Von den Besuchern leben natürlich auch die Menschen dort.

Übrigens sind auch die Hunde dort sehr vornehm und lassen sich nur mit dem Besteck füttern!

Landschaft, glasklares Wasser, Ruhe außerhalb der Marinas!

Am 14. Juni segelten wir bei 5-6 Bft. aus SW von Stynort weiter nach Norden und mussten auch hier wieder das Mastlegen zelebrieren wegen einer Brückendurchfahrt. Wir entschieden uns dann für einen Naturhafen in der Nähe von Mamerki auf dem gleichnamigen See. Ein sehr netter Hafenmeister nahm uns in Empfang und wies uns in die Örtlichkeiten ein.

 


In Polen hat man die Einkaufsmöglichkeiten in den Dörfern und Siedlungen nicht wie in anderen Ländern „plattgemacht“. Auch wenn nur 5 Häuser vorhanden sind, einen Sklep gibt es immer.

In diesem Wald befinden sich die bereits erwähnten Bunker des OKH. Die sehen dann so ungefähr aus:

 

Am 15. Juni ging es dann langsam wieder zurück. Wir segelten bei zunächst guten 3 bis 4 Bft. aus SW in Richtung Gizycko, wobei der Wind im Laufe des Tages wieder zulegte. Dafür wurde es aber mal wieder angenehm warm bei Sonnenschein und 22° C. Gegen 17:00 Uhr machten wir in der Clubmarina in Gizycko fest.

In dieser Marina wurden wir gut aufgenommen und es gab auch eine gute Küche. Es gab sogar kleine Gastgeschenke! So manch einer hatte auch noch einen wunderbaren Tag.

So wie sich der Tag verabschiedete, begann der neue leider nicht. Es regnete, teils heftig und sonst dauerhaft. Wir entschieden uns aus Zeitgründen für die Passage des Westkanals in Gizycko und wollten vor allem auch die manuell betriebene Drehbrücke sehen – übrigens die einzige in Europa! Die Zeit passte und wir konnten ohne große Wartezeit passieren. Hinter der Brücke wurde festgemacht, da noch einige kleine Erledigungen anstanden.

Die Drehbrücke wurde 1889 durch Ingenieure aus Zielona Gora konstruiert. Zwischenzeitlich wurde sie elektrifiziert und dann im Jahre 1993 wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Dieser erlaubt es einem einzelnen Menschen mit Hilfe eines Hebels die Brücke ohne größere Kraftanstrengung innerhalb von 5 Minuten zu öffnen bzw. zu schließen.

Ein wenig Geduld gehört auch dazu.

Als wir weiter wollten, wollte die Maschine an Birgits und Rüdigers Boot nicht mehr. Sie ließ sich einfach nicht überreden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Offenbar hatten die Wassermassen ihr Übriges getan und die Elektrik lahmgelegt. Es war nun von Vorteil, nicht allein unterwegs zu sein. Wir nahmen das Boot an die Leine und zogen es auf den See. Hier hatten wir Glück, es kam Wind auf und der vertrieb auch die Wolken. Gegen 16.00 Uhr machten wir in Bogaczewo neben dem 15-ner vom PSV wieder fest. Die Freude war riesig, wie nach jeder Weltumsegelung.

Am 17.06.09 hieß es dann Abschied nehmen. Birgit und Rüdiger wollten direkt nach Deutschland fahren und wir 4 wollten noch nach Mikolajki und Malbork.

Man beachte: das Sanitariat immer in Reichweite!

Mikolajki ist eine typische Urlauberstadt mit entsprechender Seepromenade und Bootsanlegern. Wir hatte ja noch Stynort vor Augen – in Mikolajki muss die Stimmung zu Fronleichnam noch größer gewesen sein, so dass wir froh waren, alles im Nachhinein in Ruhe betrachten zu können.

Hhm, Piroggen mit Blaubeeren!

Dann mussten wir aber weiter, um unser Ziel Malbork noch zu schaffen. Wir wollten dorthin, um die berühmte gotische Schlossanlage Marienburg am Fluss Nogat zu sehen. Die Anlage ist der weltweit größte gotische Schlosskomplex, der je von menschlicher Hand errichtet wurde mit einer Fläche von etwa 21 Hektar und einer Gesamtkubatur der Gebäude, die eine Viertelmillion Kubikmeter überschreitet. Wir entschieden uns an Hand der Unterlagen des polnischen Fremdenverkehrsamtes für das Hotel Stary Malbork, direkt im Zentrum und unweit der Schlossanlage gelegen. Das war eine gute Entscheidung. Es gab ein Ambiente aus dem 19. Jahrhundert, gut ausgebildetes Personal und hervorragende polnische Küche. Es entstand der Eindruck, dass Deutsche etwas mehr gefüttert werden müssten – oberlecker und mehr als genug! Der Abendspaziergang führte uns dann zum Schlosskomplex und mit zwei Kneipenstopps wieder zum Hotel.

Fazit: Ca. 1600 km Autofahrt, 107 km gesegelt, 20 km Motorfahrt, 3 x Mastlegen wegen Brücken; Wunderschöner Urlaub mit vielen neuen Eindrücken, Wetter hätte besser sein können.

Hier noch der Link zu Mazur Wind: http://www.mazurwind.pl/port-g.html