Promenadenpokal

Kühlungsborn 2010

Am letzten Wochenende hatte ich meine erste Contender Regatta. Nicht das, das schon aufregend genug ist, kam auch noch dazu, dass ich gleich auf die Ostsee durfte. Mit einem Contender… die Erwartungen waren dementsprechend sehr hoch, das gesteckte Ziel jedoch sehr klein. Das lautete bei mir: zwar baden gehen, aber wenigstens bei der ersten Regatta auch mal die Ziellinie sehen. Die Anreise gestaltete sich für mich sehr einfach, da ich eine Mitfahrgelegenheit hatte. Tobias Graef wollte mich am Freitag mit zwei Contendern im Schlepptau nach Kühlungsborn bringen. Die Abfahrt verzögerte sich, da wir noch das Freitagstraining für unsere Optikanfänger organisieren mussten. Um kurz vor fünf machten wir uns dann vom Hof, durch den Freitagsverkehr hoch an die Ostsee. Schon die Ortseinfahrt war beeindruckend. Den Blick von der Landstraße auf das Meer werde ich wohl nie vergessen. Kaum waren wir da und hatten die ersten alten Bekannten getroffen, wurden mitten auf der Promenade von Kühlungsborn die Boote abgeladen. In aller Öffentlichkeit und mit Unterstützung der schon Anwesenden schafften wir die ersten Contender auf den Ostseestrand. Das Verlangen nach der See wurde größer und größer. Doch es war schon spät und der Magen verlangte auch langsam nach was Essbarem. Zwar waren die mitgebrachten Boote noch nicht aufgetakelt, aber immerhin schon sicher am Meer. Ich hatte das Glück ein schon fertig aufgetakeltes Boot vor Ort aufzufinden, was mir das ganze Wochenende sehr erleichterte. Nach einer Stärkung mit den anderen Sportfreunden in der benachbarten Kneipe, warteten wir auf die Nachzügler aus Potsdam. Immerhin waren wir mit Hannes(Deutscher Meister), Andreas( dem Optitrainer), Tobias(Jugendwart), Sebastian ( Stolzer Besitzer eines Neuen Contenders) und mir sehr viele aus unserem Verein die den langen Weg auf sich genommen hatten um mal ein bisschen Seeluft und Contender Erfahrung zu schnuppern. Genug um den heißen Brei geredet. Am Samstag sollten drei Wettfahrten gesegelt werden. Um 9 Uhr war Steuermannsbesprechung und bis um 12 Uhr hatten wir Zeit unsere Boote an die Startlinie zu bewegen. Tobias musste leider aus gesundheitlichen Gründen noch vor dem Auslaufen das Handtuch werfen, was für mich sehr schade war weil ich ihn mir als einzige wirkliche Konkurrenz um den vorletzten Platz ausgeguckt hatte. So führ ich also raus, sicher das ich allein auf weiter Flur dem Feld hinterher segeln würde, wenn überhaupt segeln und nicht kentern. Doch schon beim Einsegeln brach mir unglücklicherweise die Pinnenverlängerung durch, ohne die ich unmöglich weiter segeln konnte. Also schnell rein segeln und hoffen das sich irgendwo noch eine Pinnenverlängerung auftreiben lässt. Dies war unmöglich weil es schon eine dreiviertel Stunde vor dem Start war und alle draußen waren. Die Rettung war für mich, dass das Boot von Tobias noch fertig aufgetakelt am Strand stand und unbesetzt war. Kurzer Hand durfte ich mit diesem Boot starten. Mit einigen Kenterungen und Schwierigkeiten kam ich dann verspätet über die Startlinie und versuchte mich auf der ersten Kreuz in meinem Leben auf einem Contender. Die anderen Boote weit voraus, kämpfte ich konkurrenzlos zur ersten Tonne, und zur zweiten, wobei der Weg von der Ersten zur zweiten wohl das coolste Erlebnis überhaupt war, das ich an diesem Wochenende gemacht habe. Schon vollkommen entkräftet raste ich mit einer unbeschreiblichen Geschwindigkeit Raumschot über die Ostsee. 10 Sek. Dann war ich wieder von Salzwasser umgeben und musste mein Boot aufrichten. An diesem Tag kam ich dann auch nicht wirklich viel weiter. Die dritte Tonne erreichte ich noch unter größter Anstrengung, doch danach verließen mich Kraft und Konzentration, so das ich abbrechen musste und mich reinschleppen lies. Am Strand merkte ich dann, dass ich nicht der einzige war der bei der ersten Wettfahrt nicht die Ziellinie überqueren sollte. Die zweite und dritte Wettfahrt verbrachte ich am Strand. Der Wind wurde etwas schwächer und ich ärgerte mich, dass ich die letzte Wettfahrt an diesem Tag nicht doch noch mitgesegelt bin, schließlich hatte ich noch nicht mein Ziel erreicht. Die Motivation nach einem doch enttäuschendem ersten Tag war dem entsprechend hoch und trotz der angesagten 5 Windstärken wollte ich früh ins Bett und am nächsten Tag ins Ziel. Das Abendprogramm bestand aus gegrilltem Essen und mit vielen netten Menschen reden und sich noch ein paar wertvolle Tips für den nächsten Tag holen. Sonntag sollte es um 11 Uhr losgehen also schön entspannt Frühstücken und dann mit dem festen Gedanken, dass aufgeben heute nicht drin war, raussegeln und jede menge Spaß haben. Zusätzlich motiviert durch einen Fotografen auf dem Wasser und einer neuen selbst reparierten Pinnenverlängerung, war ich sogar pünktlich am Start. Schon da merkte ich, dass die Tipps erstaunlicher Weise wirklich gut funktionierten und ich mit der Erfahrung vom Vortag das Boot wenigstens einigermaßen beherrschen konnte. Und zur Belohnung kam die angesagte 5 Windstärken nicht, sondern weit weniger, so dass ich mit meinem geringen Körpergewicht nicht ganz so oft umkippte und Salzwasser schluckte. Die erste Wettfahrt verlief dann jedoch leider ähnlich wie die am Vortag. Doch immerhin schaffte ich nach dem Dreieck noch ein Lineal, brach dann aber ab um pünktlich zum letzten Start an der Linie zu sein Um mein Ziel zu erreichen und nicht wieder vor immer größer werdenden Schwierigkeiten zu kapitulieren fehlte mir noch ein endscheidener Tip. Ist der Baumniederholer richtig dicht, ist das auch mit der Großschot nicht mehr ganz so kräfteraubend, außerdem hatte ich die Großschotklemme neu entdeckt. Direkt nach einem ganz akzeptablen Start lag ich auch noch im hinteren Teil des Feldes, was sich natürlich schon nah Tonne ein deutlich änderte. Doch mein Ziel war ein ganz anderes. Nach dem ersten Dreieck schöpfte ich Hoffnung ins Ziel zu kommen. Dann verflog die Zeit und ich war schon auf dem letzten Raumgang, den ich nach nur einer Kenterung erfolgreich beendete. Zielkreuz… Kurz vor dem Ziel. Viel zu taktieren gab es nicht da ich der einzige war der sich noch auf dem Kurs befand. Eine Wende reichte um endlich das so lang ersehnte Zielsignal ertönen zu lassen. Ich hatte es geschafft, völlig fertig, aber glücklich segelte ich noch eine kleine Runde um endlich die Ostsee ohne Ziel vor Augen zu genießen. Dann ab zum Strand Boot wieder zurück in den Verein ziehen und Umziehen. Nach einer kleinen Stärkung ging es mit meinen Begleitern aus Potsdam zum Boote abtakeln und verladen. Wieder unter den wachsamen Auge von ungläubigen Touristen, die nicht glauben wollten, dass wir gerade auf der Ostsee eine Regatta gesegelt sind. Am Ende hatte Hannes hinter dem Exweltmeister den Zweiten gemacht und Andreas den 5. Platz belegt. Für mich, trotz mehr DNS und DNF als Zieldurchfahrten ein geniales Wochenende wo ich sehr viel an Erfahrung mitgenommen habe. Ich könnte jetzt hier noch ein Liste anhängen wo alle Personen aufgezählt sind die mir zu diesem Wochenende verholfen haben, aber ich denke, dass diese Menschen sehr genau wissen, wie sehr sie mich da unterstützen.

 

Martin

 

Ja Martin, im Nachgang zu Deinem schönen Bericht, schön das es Dir gefallen hat. Gern stehen wir, der SVPA und die Contender Klassenvereinigung hinter Seglern die mit Biss und Charme auf dem Wasser unterwegs sind. Und da Du ein hilfsbereiter Co – Trainer unserer Jugendgruppe bist, für Dich steht immer was an Land bereit, was sich mithilfe eines Segels bewegen lässt.

 

 

Tobias Graef

Jugendwart SVPA